Maik Kunzelmann auf den Spuren ägyptischer Geschichte, Teil 5: Die Totenstadt Sakkara

Das weitläufige Gebiet von Sakkara ist neben den Pyramiden von Gizeh und dem Tal der Könige die bedeutendste Totenstadt des antiken Ägyptens. Mit Gräbern, die zwischen 2500 und 5000 Jahre alt sind, ist sie einer der wichtigsten archäologischen Fundorte des Landes. Und ein Ort von Mystik und Legenden.

Man geht davon aus, dass sich der Name Sakkara vom ägyptischen Gott Sokar ableitet, einem archaischen Totengott und Lokalgott der Region westlich der alten Reichsmetropole Memphis. Der Besuch von Sakkara ist, von Kairo aus gesehen, mitsamt Anfahrt und Besichtigung ein voller Tagesausflug. Doch ist die Totenstadt Sakkara so weitläufig und umfangreich, dass die normale Aufenthaltszeit der meisten Reisenden nicht ausreicht, alle Denkmäler zu besichtigen und entsprechend zu würdigen.

Wichtige Aufschlüsse über die Gräber

Als idealer Startpunkt der Besichtigungen erweist sich das Museum von Sakkara. Es beherbergt eine hervorragende Auswahl wichtiger, archäologischer Funde aus dem gesamten Grabungsgebiet und gibt einen guten Überblick über das Gebiet und die Geschichte von Sakkara. Modelle und Erklärungstafeln führen hier in die Historie der Totenstadt und die spannende Geschichte ihrer Entdeckungen und Ausgrabungen ein. So gab die Erforschung der Gräber in Sakkara-Nord wichtigen Aufschluss über die Entwicklung sowohl der königlichen als auch der nicht-königlichen Gräber. Nicht sicher ist bis heute, ob es sich bei vielen Mastabas wirklich um königliche Gräber handelt oder um Scheingräber, sogenannte Kenotaphe, um das Grab eines Angehörigen oder eines hohen Amtsträgers des jeweiligen Königs. Westlich der frühdynastischen Gräber gibt es Katakomben für Tiermumien, lange Galerien, in denen heilige Ibisse und Paviane bestattet wurden.

Erstes monumentales Steingebäude Ägyptens

Sakkara präsentiert sich zunächst als riesiges Freilichtmuseum, das aus zwei Hauptgebieten besteht: Sakkara-Nord und Sakkara-Süd. Besucher stehen vor einer Vielzahl von Grabanlagen, Katakomben, Totentempeln und Pyramiden, von denen 12 als königliche Pyramiden aus dem Alten und Mittleren Reich gelten. In Sakkara-Nord befinden sich Gräber aus unterschiedlichsten Epochen, von der ägyptischen Frühzeit (1. und 2. Dynastie, etwa 3100-2700 v. Chr.) bis zur Zeit der persischen Herrschaft (5. und 4. Jahrhundert v. Chr.). Im Zentrum von Sakkara-Nord liegen die Pyramidenanlagen der Pharaonen Userkaf und Unas (5. Dynastie), des Teti (6. Dynastie) und der berühmte Pyramidenkomplex des Königs Djoser Netjerichet (3. Dynastie 2690 bis 2670 v. Chr.) Der älteste monumentale Steinbau Ägyptens genießt den Ruhm, als „Treppe in den Himmel“ die einzige große Stufenpyramide des Landes zu sein. Ursprünglich etwa 60 Meter hoch, hat die Djoserpyramide eine nicht exakt quadratische Grundfläche, sondern misst 123 Meter an der Ost-West-Seite und 107 Meter an der Nord-Süd-Seite. Südöstlich von ihr wurde ein weiterer Pyramidenkomplex aus der 3. Dynastie entdeckt, der stark zerstört und vermutlich niemals fertig gestellt wurde. Hierbei handelt sich um die Stufenpyramidenanlage des Königs Sechemchet, die 1954 von dem ägyptischen Archäologen Zarkaya Ghoneim entdeckt wurde.

Ein koptisches Kloster

Direkt neben den Gräberfeldern der Pharaonenzeit liegen die Ruinen des koptischen Klosters vom Heiligen Jeremias, das neben den Alltagsgebäuden der Mönche noch zwei Kirchen umfasste. Im 5. Jahrhundert gegründet, wurde das Kloster im 10. Jahrhundert wieder zerstört. Bei der archäologischen Erforschung kamen zahlreiche Bauteile und Kunstwerke zum Vorschein, die heute im Koptischen Museum von Kairo zu besichtigen sind. Etwa sieben Kilometer südlich liegt das Pyramidengebiet von Sakkara-Süd. Hier stehen neben der großen, königlichen sargförmigen Mastaba von Pharao Schepseskaf (4. Dynastie) wichtige Pyramidenanlagen verschiedener Dynastien aus der 5. Dynastie (Djedkare-Asosi), der 6. Dynastie (Pepi I., Merenre I., Pepi II.), der 8. Dynastie (Ibi) und der 13. Dynastie (Chendjer und ein unbekannter Pharao). Leider sind viele Denkmäler von Sakkara-Süd den Touristen nur mit Sondergenehmigung und Geländewagen zugänglich, so dass dieser Bereich nur selten von Besichtigungsgruppen frequentiert wird. Insgesamt ist die Totenstadt von Sakkara so weitläufig, dass viele Archäologen davon ausgehen, noch weit mehr Gräber als die bisher entdeckten finden zu können.
Rüdiger Lehmann    Fotos: Maik Kunzelmann

https://www.aegypten-online.de/sakkara.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Sakkara