Stephen Hawking gilt als einer der größten Wissenschaftler unserer Zeit / Teil 2

Mit der Aufdeckung der Geheimnisse um die Schwarzen Löcher kam der vor kurzem verstorbene Astrophysiker Stephen Hawking dem Ursprung unseres Universums sehr nahe. Neben diesem und vielen anderen Themen widmete er einen Großteil seines Schaffens der Kosmologie – der Lehre von der Evolution des Weltalls. 

Bis zuletzt galt Stephen Hawking als einer der wichtigsten „Geistesgiganten der Gegenwart“. Als ein Wissenschaftler, der keine Experimente machte, sonder „nur“ nachdachte, was ihm allerdings nie den Nobelpreis bescherte, da dieser seit jeher experimenteller Nachweise bedarf. Dennoch gelten seine Theorien, die auf der Relativitätstherorie Albert Einsteins aufbauen, heute als kaum noch widerlegbar. 20 Jahre nach der Entwicklung seiner Erkenntnis, dass Objekte, die von einem schwarzen Loch verschluckt werden, für immer verschwinden und eventuell in ein anderes Universum eintreten, kam er im Jahr 2004 zu dem Schluss, dass die Objekte in einer veränderten Form doch wieder von den Schwarzen Löchern ausgespuckt werden. Hawking erklärte, dass Informationen nicht wirklich verloren gehen, auch wenn sie nicht in brauchbarer Weise zurückerstattet werden. Er vergleicht dies mit dem verbrennen einer Enzyklopädie, deren Informationen nicht verloren gehen wenn man die Asche aufhebt, auch wenn sie sich nicht mehr lesen lassen.

Die imaginäre Zeit

Schon 1964 lieferte Hawking gemeinsam mit seinem Kollegen Roger Penrose eine mathematische Begründung dafür, dass das Universum mit einem Urknall entstanden ist. Er erkannte, dass sich die Singularität in einem Schwarzen Loch und im Urknall mathematisch gleichen. So wie ein großer Stern in sich zusammenstürzt, könnte auf diese Weise das gesamte Universum aus einer Singularität hervorgegangen sein. Bis dahin sagte Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie im Hinblick auf Schwarze Löcher noch voraus, dass das Universum einen Anfang haben müsse. Dies schloss Hawking aus, indem er eine imaginäre Zeit einführte die es ermöglichte, den Anfang des Universums auf den Nordpol einer Erdkugel zu legen. Dabei hätte die Zeit ihren Anfang am Nordpol, einem Punkt der nicht anders ist, als jeder andere Punkt auf der Erde. Da die Naturgesetze überall gelten und eine Kugelfläche keinen Rand hat, ist nach Hawkings Theorie auch das Universum in sich geschlossen. Damit war für ihn die Frage, was vor dem Urknall war, die gleiche wie jene, was eine Meile nördlich des Nordpols liegt. Hawking definierte seine so genannte „Kein-Rand-Hypothese“ als Antwort darauf warum wir hier sind.

Ein göttlicher Plan?

Insgesamt stand Hawking spirituellen und mystischen Ansichten distanziert bis ablehnend gegenüber. Dennoch stellte er an vielen Stellen Gottesbezüge her. Sollten eines Tage, so eine seiner Aussagen, alle Gleichungen über das Universum gelingen, würden wir Gottes Plan kennen. Was er in erster Linie metaphorisch gemeint haben dürfte, da das Paradies und ein Leben nach dem Tod für ihn nichts weiter als Mythen darstellten. „Ich sehe das Gehirn als einen Computer, der die Arbeit einstellt, wenn seine Komponenten versagen“, sagte er einmal. „Es gibt keinen Himmel für kaputte Computer. Das ist ein Märchen für Menschen, die sich vor der Dunkelheit fürchten.“

Rüdiger Lehmann / Fotos: i-stock

Quellen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/stephen-hawking-seine-fuenf-groessten-erkenntnisse-a-1198044.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/stephen-hawking-ist-tot-eine-kurze-geschichte-ueber-stephen-hawking-a-1198060.html