Maik Kunzelmann auf den Spuren ägyptischer Geschichte, Teil 2: Die Amr ibn al-‚As Moschee

Mit der hängenden Kirche, dem koptischen Museum und weiteren Zeugnissen einer christlichen und jüdischen Geschichte Kairos, besuchte Maik Kunzelmann am ersten Tag seiner Ägyptenreise auch das älteste muslimische Gotteshaus Afrikas. Mit ihrer imposanten Präsenz, direkt am koptischen Viertel gelegen, lockt die Amr ibn al-‚As Moschee mit spannenden Zeugnissen einer großen Kultur.

IMG_6322Die Lage der Moschee wurde durch den General der muslimischen Armee Amr Ibn Al-‚As bestimmt, der bei der Eroberung des Landes 642 n. Chr. während der Belagerung Babylons an genau diesem Platz sein Lager aufschlug. Damit entstand, erbaut aus Palmenstämmen und Palmwedeln, die erste in Ägypten und ganz Afrika errichtete Moschee. Nach zahlreichen Ergänzungen und Restaurationen während der vergangenen Jahrhunderte, ist Amr ibn al-‚As Moschee heute Teil dessen, was in Kairo allgemein als „multireligiöse Anlage“ bezeichnet wird: Eine Fläche, die die uralten Kultstätten der drei monotheistischen Religionen Islam, Christentum und Judentum umfasst.

Bereits im Jahre 673 wurde der Moschee, während der Herrschaft von Mu ‚ Awiya, ein Minarett an jeder seiner vier Ecken hinzugefügt. 827 verdoppelte sich die Größe mit sieben Gängen, die parallel zur sogenannten Qiblawand gebaut und durch Säulenarkaden begrenzt wurden. Die letzte Spalte in jeder Reihe wurde an der Wand durch eine hölzerne Architrave befestigt, die mit einem Fries eines späthellenistischen Typs geschnitzt wurde. Diese Architrave sowie Reste von Springbögen sind noch heute an der Südwand der Moschee zu sehen. Mit ihren Säulen im Eingang und den seitlichen Arkaden im Hof entspricht das aktuelle Erscheinungsbild dem der Moschee aus dem Jahr 1796. Jenem Jahr, in dem der Mamlukenführer Bey Muhammad die Reste der seinerzeit verfallenen Moschee abreißen und einen Neubau an gleicher Stelle errichten ließ.

IMG_8842Heute bietet die Moschee, nach weiteren Restaurierungen bis ins Jahr 2000, mit ihren etwa 200 Säulen von verschiedenen Orten und ihren weiten, ruhigen Räumen, ein stilles Refugium von der Geschäftigkeit Kairos. Auf einem 108 × 116 Meter großen Grundriss stehend, hat die Moschee drei Eingänge und ein 32 Meter hohes Minarett auf der Westseite. Der große Innenhof präsentiert sich in einem für die Region typischen Baustil, mit einem Brunnenhaus in der Mitte, begrenzt durch mehrschiffige Arkadenhallen. Die Legende besagt, dass der Brunnen direkt mit dem Zamzam Brunnen, einer heilige Süßwasserquelle bei der Kaaba in Mekka, in Verbindung stehen soll. Dort laufen die Muslime während ihrer Pilgerfahrt siebenmal zwischen den beiden Hügeln hin und her und reinigen sich mit dem Wasser des Zamzam-Brunnens, das als besonders heilsam gilt.

Rüdiger Lehmann

Quellen
http://www.aegypten.citysam.de/
https://www.aegypten-spezialist.de/
https://www.aegypten-online.de/
wikipedia