Vieles aus Aristoteles‘ Philosophie ist bis heute aktuell

Anhand der Plantonischen Körper haben wir uns in einem der zurückliegenden Blogs mit Platons logischer Existenzlehre beschäftigt. Mit einer Aufteilung, die der bedeutende Denker in eine Philosophie der Sinnen- und der Ideenwelt trennte. Sein wohl berühmtester Schüler Aristoteles rückte von dieser klaren Trennung in laufe seine Lebens ab, bzw. erweiterte die Lehre um zusätzliche wichtige philosophische Aspekte.

In der Definition der Sinnenwelt Platons fließen alle unsere Erfahrungen über die fünf Sinne Augen, Nase, Ohren, Mund und Tastvermögen bei uns ein. Da jeder Mensch auch Täuschungen unterliegt und vieles individuell anders sieht, schmeckt, tastet oder hört, definierte Platon noch eine weitere Welt dahinter – die Ideenwelt. Eine Sphäre, die rein mit den Sinnen nicht erkennbar aber dennoch existent ist. Seit 367 v. Chr. beteiligte sich Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) in Platons Akademie in Athen zunächst an dessen Forschung und Lehre. Nach Platons Tod wurde er von 343 bis 342 Lehrer des makedonischen Thronfolgers Alexander des Großen, bevor er nach Athen zurückkehrte um dort an seiner eigene Schule, dem Lyeikon, mit seinen Schülern weiter zu forschen.

Eigene philosophische Grundsätze

Auch wenn Aristoteles ein Schüler Platons war, rückte er dennoch immer weiter von seinem Lehrer ab und entwickelte eigene philosophische Grundsätze. Während er die Logik als eigenständige Wissenschaft begründete, gilt er heute auch als Gründer vieler Naturwissenschaften. Dabei war Aristoteles so vielfältig, dass sein Werk bis heute sehr unterschiedlich interpretiert wird. Zu den berühmtesten Werken des Aristoteles zählen seine Poetik, Politik, Ethik und Metaphysik. Seine Vorstellungen vom Theater und der Redekunst sind noch immer sehr einflussreich. Dabei gilt Aristoteles generell eher als ein philosophierender Wissenschaftler, der nicht außer Acht ließ, dass es auch so etwas wie ein übergeordnetes, göttliches Prinzip geben könnte.

Bewegung und Äther

In seiner Naturphilosophie thematisiert Aristoteles die Grundlagen jeder Naturbetrachtung anhand der Arten und Prinzipien der Veränderung. So geht er in der Astronomie von einem endlichen, sphärischen Universum aus, in dessen Mittelpunkt sich die Erde befindet. Der zentrale Bereich besteht dort aus den vier Elementen Erde, Luft, Feuer und Wasser. In seiner Physik ist jedem dieser vier Elemente ein genauer Platz angewiesen an dem dieses sich in seiner natürlichen geradlinigen Bahn seinem eigentlichen Ruhepunkt entgegen bewegt. Für Aristoteles ergibt sich daraus, dass irdische Bewegungen immer geradlinig sind und immer zum Stillstand kommen. Die Himmel jedoch bewegen sich für ihn natürlich und ewig in einer komplexen, kreisförmigen Bewegung. Dies macht ein fünftes, neues Element erforderlich, das Aristoteles Äther nennt. Als höheres Element ist Äther ein unveränderlicher Trägerstoff der seinen Platz nun in kreisförmigen Bewegungen verändern kann. Aristoteles‘ Theorie von der geradlinigen Bewegung ist für alle wahrnehmbaren, irdischen Bewegungen gültig. Er behauptete auch, dass schwere Körper eines bestimmten Stoffes schneller fallen als leichtere bei gleicher Form. Eine Ansicht, die allgemein anerkannt wurde und die sich erst fast 2000 Jahre später aufgrund der Versuche des italienischen Physikers und Astronomen Galileo Galilei (1564 – 1641) als falsch erweisen sollte.

Unvergänglicher Bestand

Planet EarthNach dem Niedergang Roms gingen Aristoteles‘ Werke im Westen zunächst verloren. Während des 9. Jahrhunderts n. Chr. führten arabische Gelehrte das aristotelische Werk in arabischer Übersetzung in den Islam ein. Im 13. Jahrhundert wurde das Interesse des „lateinischen Abendlandes“ an dem Werk von Aristoteles wieder geweckt, indem Thomas von Aquin in ihm eine philosophische Grundlage für christliches Denken entdeckte. Dies fand die Geistlichkeit allerdings fraglich, da sie davon ausging, dass seine Lehren zu einer rein materialistischen Sicht der Welt führen könnten. Astronomen wie auch Dichter bis zur Renaissance und auch noch danach schätzten besonders seine Auffassung vom Universum. Auch die Zoologie stützte sich auf Aristoteles‘ Werk, bis im 19. Jahrhundert der englische Wissenschaftler Charles Darwin (1809 – 1882) seine Lehre von der Unveränderlichkeit der Gattungen widerlegte.

Der Einfluss von Aristoteles‘ Wissenschaften bleibt dennoch allgegenwärtig bis heute, auch wenn viele seiner physikalischen Lehren durch Entwicklungen wie Albert Einsteins Relativitätstherorie gefolgt von der Quanten- Raum- und Teilchenphysik von Niels Bohr, Werner Heisenberg oder Peter Higgs mittlerweile umfassend widerlegt wurden. So erfuhr erst im 20. Jahrhundert die aristotelische Methode und deren Bedeutung für die Erziehung, die literarische Kritik, die Analyse menschlichen Handelns und die politische Analyse eine neue Würdigung, die bis heute weitgehenden Bestand hat.

Rüdiger Lehmann